Was ist eine Schreibblockade?

Ich will über meinen Laptop an meiner Buchdatei weiter schreiben. Doch irgendwie klappt das heute nicht so recht. Starr richtet sich mein Blick auf den Bildschirm. Ich lese den letzten Abschnitt noch einmal durch, um den Anschluss wieder zu finden. Mich lenken keine Gedanken ab, ich bin voll bei der Sache… und weiß dennoch nicht weiter. Jetzt schaue ich mir die Tastatur und meine Hände an. Alles ist still. Ich höre im wahrsten Sinne des Wortes die Uhr ticken: Tick, tack, tick, tack, tick… Das Gebläse des Rechners wird unerträglich laut und die Stille in meinem Kopf nervt mich total. Sonst ist doch auch ständig mein Plappergei im Hirn und quasselt die ganze Zeit mit mir. Sonst sehne ich mich oft nach Ruhe. Aber momentan finde ich sie unerträglich. Es fällt mir noch nicht mal mehr ein neues Thema für meinen Blog hier ein. Ich glaube, ich leide erstmalig, und hoffentlich einmalig, an einer waschechten Schreibblockade.

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Da ist sie!

Aber warum?

Der Berg ist so groß

Der aktuelle Teil meines Buches: „In 9 Monaten von der Schmusekatze zur Löwenmama“ befindet sich in einer absoluten Durststrecke. Die letzten 2 Wochen vor der „Geburt“ sind angebrochen. Im Buch, wie im realen Leben ist das eine Zeit des Wartens. Du hast das Kinderzimmer fertig, die Kliniktasche ist bereits gepackt, du arbeitest nicht mehr und wartest im Prinzip nur noch darauf, dass es los geht. An sich könnte ich diese Zeit mit einem Absatz wie ich hier gerade geschrieben habe, abhandeln. Doch bei mir passierte noch so vieles. So viel, was den Rahmen meines Buches absolut sprengen würde, und obendrein zwar mir äußerst wichtig erscheint, dem Leser/der Leserin aber diese Durststrecke spiegelt. Auf gut Deutsch: Es zieht sich wie Kaugummi und ist stink langweilig. Gut, ich könnte sagen: „Dann ist es schon authentisch.“ Aber ich bin mit beiden Varianten eben nicht zufrieden. Schon sind wir beim nächsten Grund:

Perfektionismus

Wenn ich etwas mache, dann möchte ich es richtig machen, also perfekt. Ich habe tatsächlich den Anspruch, jeden einzelnen Leser/jede einzelne Leserin vollkommen zufrieden zu stellen und den Erwartungen gerecht zu werden. Während dieser Zeilen merke ich, dass das totaler Quatsch und absolut unrealisierbar ist. Doch es ist in mir. Da ich mir dem sogar bewusst bin, beginne ich, mich auf Satzbau und Rechtschreibung zu fixieren und komme so noch weiter aus dem Schreibfluss. Motivation in allen Ehren. Hier ist diese vollkommen fehl am Platz!

Psychologische Gründe:

Perfektionismus war bereits einer davon. Genauso, dass ich es jedem recht machen will. Eigentlich kann ich jeden erdenklichen Grund einer Schreibblockade dieser Sparte zuschieben.

Druck

Fehlender Zeitdruck ist auch so ein Thema. Ich muss ja nicht schreiben. Ich stehe mit keinem Verlag unter Vertrag und habe keinen Abgabetermin. Das ist so ähnlich wie mit dem Abnehmen – morgen ist ja auch noch ein Tag. Und falls nicht morgen, dann übermorgen. Das andere Extrem: Ich setze mich selbst unter Druck. Eine Schreibblockade ist an sich etwas ganz normales, das jeder Autor mal durchläuft. Jeder, außer mir natürlich. Ich doch nicht!

Ängste

Während es normal ist, anfangs solche Blockaden zu haben, weil man „noch nicht drin ist“, habe ich sie im letzten Viertel des Buches. Fürchte ich mich etwa vor der Fertigstellung? Dann wissen bald alle, die es interessiert, ziemlich intime Details von meinem Leben. Dann kann ich be- und auch verurteilt werden und muss ggf. Kritik einstecken. Noch schrecklicher wäre, es juckt niemanden. Folglich wird das Buch nicht gekauft, und auch nicht gelesen. Bin ich dann ein Versager und nicht gut genug?

Ablenkungen

Im Hintergrund läuft Facebook, neben mir liegt mein Handy, über das Babyfone höre ich Geräusche und Dialoge meines wohl noch immer wachen Sohnes (um 22:20Uhr!), habe plötzlich Hunger, oh getrunken habe ich heute auch noch nicht so viel, und mir fällt gerade ein, dass ich eine wichtige Überweisung noch nicht erledigt habe. Du hast schneller eine Ausrede, als eine Maus ein Loch.“ hörte ich oft von meiner Mutter.

uvm…

Des Rätsels Lösung:

Im Prinzip alle Gründe auflösen.

  • Erstmal eine Variante finden, die MICH zufrieden stellt. Also Laptop aus, Möglichkeiten erarbeiten und auswählen. Ggf. mit einer geeigneten, geführten Meditation.
  • Ansprüche herunter schrauben, zunächst einfach drauf los schreiben, 100% niederschreiben. Korrigiert und gestrichen werden kann immer, solange es noch nicht im Druck liegt. Außerdem gibt es auch noch den Lektor.
  • Es nicht allen recht machen wollen, sondern mir selbst. Sobald ich für andere schreibe, oder mich für jemanden verbiege, stammt das Werk nicht mehr von mir und wird eh nix. Ich erreiche lieber nur 1 Menschen, und das mitten ins Herz, als 100 oberfächlich. Denn ich habe mit dem Buch eine Mission! Verliere dich selbst nicht und sei dir deiner Werte bewusst!
  • Ich habe mir selbst eine Deadline gesetzt, wann ich das Buch gerne in meinen Händen halten möchte. Selbstverständlich schriftlich als Vertrag. Und ich mache mir bewusst, dass ich eine Schreibblockade haben darf und das nichts über meine Qualität als Autorin aussagt.
  • Sämtliche Ängste sind dazu da, um überwunden zu werden. Ich bleibe im Feuer des Gefechtes stehen, gebe nicht auf und finde den Mut weiter zu machen. Und wenn ich nur 30 Min. regungslos über meiner Tastatur verweile. Ich widme deshalb nicht weniger Zeit und Aufmerksamkeit dieser Schöpfung.
  • Sogar noch intensiver Aufmerksamkeit. Denn ich beseitige alle Störfaktoren, damit ich mich vollkommen auf das 1 Thema konzentrieren kann. Da ich beispielsweise keinen Einfluss auf den Schlaf meins Jungen habe, nenne ich es: „Ablenkungen minimieren.“

Weitere Lösungsansätze:

  • In mich hineinhören, was da gerade kommt und meinem Innersten Ausdruck verleihen.
  • Struktur oder Bauchgefühl? Kann beides hilfreich sein, wichtig ist das „Warum“ zu wissen um entsprechend reagieren zu können. Bei mir heißt es: Einfach mal drauf los schreiben und später selektieren.
  • Visualisieren, wie mein Buch fertig aussieht. Ich stelle mir vor, wie ich gerade nach einer Lesung signiere und die Menschen dafür Schlange stehen.
  • Manchmal ist es aber auch ganz hilfreich, Abstand zu finden. Eine Schreibpause einlegen, den Kopf frei bekommen, raus in die Natur gehen!
  • Ideen sammeln.

Meine 3 Favoriten:

  • Andere um Hilfe bitten. Ruhig unerfahrene, ehrliche Personen offen auf die Problematik ansprechen und sie bitten, regelmäßig bei mir nachzufragen, wie der Stand ist. Manchmal kann ein völlig neuer Blickwinkel von außen meine Betriebsblindheit überwinden und ich komme plötzlich auf weitere Ideen.
  • Inspirationsbooster: Frischer Wind, Ortswechsel, Routinen durchbrechen, Treppe statt Aufzug nehmen, ein neues Cafe ausprobieren, mit links alltägliche Dinge machen, (weil ich ne Rechte bin ;-)), z.B. links schreiben oder mit dem Messer schneiden, statt Laptop mit Papier und Stift schreiben, das Zimmer umstellen, ein neues Bild an die Wand hängen, ein Bild malen…
  • Etwas unwichtiges schreiben, z.B. 5 Min. „Jetzt-Übung“, um wieder in Fluß zu kommen, oder:

EINEN ARTIKEL ÜBER MEINE SCHREIBBLOCKADE SCHREIBEN!

 

Mittlerweile fällt es mir wieder einfach zu schreiben. Zu Beginn dieses Blogartikels sah das noch ganz anders aus. Jetzt werde ich jedoch für heute die Arbeit Arbeit sein lassen, und mich morgen frisch und munter weiter ans Buchschreiben machen. Wohlgemerkt mit Lust und Freude! 🙂

Danke lieber Leser/liebe Leserin, ohne dich wäre dieser Knoten nicht (so schnell) geplatzt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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2 Gedanken zu “Was ist eine Schreibblockade?

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