Ein Unfall, der meinem Leben eine neue Richtung gab. TEIL 1

Der 7.6.2010, also genau heute vor 6 Jahren, sollte im Nachhinein betrachtet der Stichtag zu meinem neuen Leben sein. An diesem Tag, bzw. in dieser Nacht bekam ich eine zweite Chance…

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Ein Tag wie jeder andere. Abends gehe ich frühzeitig ins Bett, um fit für den morgigen Arbeitstag zu sein. Gerade an der Schwelle zum Einschlafen höre ich die Sirene. Ich bin eine Feuerwehrfrau und schieße sogleich aus dem Bett. Die Treppen hinunter bemerke ich, dass ich ja nur das Nachthemd an habe und wenigstens eine Unterhose angebracht ist. Zurück nach oben, Unterwäsche anziehen und die Treppen wieder hinunter raus zur Haustüre. Ich erkenne nichts. Das liegt aber weniger an der Dunkelheit, sondern vielmehr daran, dass ich keine Brille auf habe. Also wieder rein ins Haus, die Treppen hoch ins Badezimmer, Brille aufsetzen und jetzt aber endlich los. Sonst sprinte ich immer ins Gerätehaus. Doch weil ich so spät dran bin, nehme ich das Auto. Ich muss vorsichtig fahren, denn von allen Seiten rasen meine Kameraden an. Ein seltsames Gefühl beschleicht mich. Irgendwie ist heute alles anders als sonst. Als ob ich nicht zu diesem Einsatz soll.

In der Halle ziehe ich mich gerade um, da ruft der Gruppenführer: „Es wurde ein Brand in einer großen Firma am Stadtrand gemeldet, ich brauche noch 1 Mann“. Das ist die typische Umgangssprache bei uns. Denn, auch wenn zunehmend Frauen zur Feuerwehr kommen, so wird immer noch von einem Mann geredet. Ich blicke zu meinem Kameraden nebenan, der die Zusatzfunktion Atemschutz bekleidet und signalisiere ihm, dass er gehen soll. Seine Ausbildung wird sicher dringender von Nöten sein, als meine. Deshalb setze ich mich in den Mannschaftswagen. Während mit Blaulicht und Martinshorn bereits 2 Fahrzeuge voraus fahren, sind nun auch wir vollzählig mit 4 „Mann“. Die Frage „Wer fährt?“ hat sich auch relativ schnell erübrigt. Ich trau mich gerade in Einsätzen nicht an diesen Karren, ein erfahrener Kamerad hat schon Alkohol getrunken und dann bleiben noch 2 jüngere Kollegen, wovon sich einer gleich selbstbewusst hinter das Steuer setzt.

Nun düsen auch wir los. Bereits am Ortsausgang kritisiert mein Kamerad neben mir auf dem Rücksitz den aggressiven Fahrstil mit „Heyhey! Etwas cooler, ok?“ Ich will mir gerade den Helm aufsetzen. Jedoch finde ich keinen Halt, weil wir von einer Kurve in die nächste fahren. Also ziehe ich meine Handschuhe wieder aus, um den Riemen sorgfältig über meine Brille hinüber zu bekommen. Als ich meinen Kopf anhebe, und dabei durch die Frontscheibe blicke, erkenne ich 2 Rücklichter eines Fahrzeuges. Der Chauffeur muss vom Martinshorn erschrocken sein und eine Vollbremsung gemacht haben.Denn seine Bremslichter leuchten auf und wir nähern uns plötzlich dem Fahrzeug so rasant, dass unser Fahrer selbst scharf bremst und auf das Kiesbett rechts am Straßenrand gerät. Er lenkt dagegen und wir schlittern gefühlte 100 Meter quer über die Fahrbahn.

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Alles geht so schnell. Im Bruchteil einer Sekunde sehe ich ein Verkehrsschild geradewegs auf mich zukommen. Als ob es mich anfixiert hätte und ich es wie ein Magnet nun anziehe. Ich bekomme gerade noch ein langgezogenes Wort heraus: „Scheiiiiiiiise“ bevor mir die Lichter ausgehen.

Langsam komme ich zu mir. Ich fühle mich etwas benebelt und muss erst die Orientierung wieder finden. Ich kann mich frei bewegen und bin abgeschnallt. Mein Kamerad nebenan schaut sich auch gerade um. Fahrer und Beifahrer befinden sich nicht mehr im Fahrzeug. Etwas stimmt nicht. Als ich aus der Vorderscheibe blicke meine ich, das Blaulicht in einem Wasser spiegeln zu sehen. Jetzt höre ich auch, wie draußen Stimmen wild rufen: „Schnell raus da, kommt sofort raus, der Karren rutscht gleich in den Bach!“ Panisch krabbele ich an meinem Nebensitzer vorbei auf die kleine Fensterscheibe zu. Da passe ich niemals im Leben durch! Jemand schreit mich an: „Susi, raus da! Komm raus! Schnell!“ Also kralle ich mich am Fensterrahmen fest, drücke mich mit den Beinen von meinem Kameraden weg und ziehe mich hoch. An meiner Schulter spüre ich Arme, die mich unterstützen. „Hol mich raus“ rufe ich mit voller Kraft. Ich spüre nur ein einziges Gefühl in diesem Moment: TODESANGST!

Wieder auf festem Boden stehend, versuche ich verdattert, mich zurecht zu finden. Wo sind wir denn überhaupt? Ein großer Mann mit stattlichem Bierbauch kommt auf mich zu: „Junge Dame, geht es ihnen gut? Tut ihnen etwas weh?“ Ich winke ab: „Alles gut.“ Und er fragt weiter: „Aber junge Dame, bitte setzen Sie sich hin. Sie bluten.“ Reflexartig fasse ich mir an die Stirn. Meine Hände sind vollgeschmiert mit rotem Lebenssaft und ich sage: „Das macht nichts, ich hole mal eben aus dem Kofferraum das Verbandszeug.“ Ich drehe mich zur Seite und will den Griff von der Hintertür erfassen und tappe voll ins Leere. Dann noch einmal. Jetzt erst erkenne ich, dass unser Kombi auf einem Abhang liegt und sich direkt vor mir die Hinterräder und in der Luft oben der Kofferraum befindet. Einen Schritt zur Seite getreten wird mir das Ausmaß erst klar. Das Auto steckt insgesamt zwischen 2 Bäumen fest. Die Seite, auf der ich ausgestiegen bin, ist völlig eingebeult vom Baumstamm. Und die Wagen-Spitze ist im Bach eingetaucht,  auf dem Wasser spiegelt sich das Blaulicht und leuchtet so das ganze Gelände aus. Das Auto scheint eingekeilt zu sein, weshalb es nicht weiter abrutscht. (Erst im Nachhinein habe ich erfahren, dass wir eine Parkbank mitgenommen und sich diese unter dem Fahrzeug in den Boden eingerammt hatte.) Der nette Helfer hat mich an der rechten Hand genommen. „Lady, bitte setzen Sie sich. Tun Sie mir den Gefallen“. Von links höre ich, wie ein weiterer Passant einen Notruf absetzt.

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Mein Zeitgefühl ist zwischenzeitlich völlig flöten gegangen. In dieser Situation und auch hier beim Schreiben.

Ich wurde mitten aus dem Alltag gerissen. Mir wurde das Wissen verdeutlicht, dass ich wirklich jeden Moment sterben kann. Keiner, aber auch wirklich gar keiner ist davor gefeilt. Ich habe nicht, wie einem immer erzählt wird, mein ganzes Leben vor Augen gesehen, als das Schild auf mich zuraste. Nein. Ich dachte nur: „Scheise.“ Warum? Weil ich in diesem Moment tief in meinem Inneren daran zweifelte, ob ich wirklich bis dato lebte. Natürlich war ich physisch am Leben. Doch habe ich echt gelebt? Oder habe ich mich leben lassen? Da war ja dieses mehrmals erwähnte Schild, das da auf mich zu flog… Mir ist bewusst, dass nicht das Schild flog, sondern wir auf das Schild zugeschlittert sind! Doch es fühlte sich an, als ziehe ich es magisch an, als wolle es mir etwas sagen. Dreimal darfst du raten, was. Richtig!

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Du willst jetzt wissen, wie es weiter ging? Der Krankenwagen nahm mich mit in eine Klinik, über deren Aufenthalt ich alleine einen Blogbeitrag verfassen könnte. Ach was sage ich… Die Geschichte wäre von vorn bis hinten filmreif! Ich kann niemals alles in diesen einen Artikel packen und deshalb wird spontan einfach Teil 1 daraus.

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Wenn es dich interessiert, wie das ganze nun mein Leben verändert hat und wie die Dinge ihren Lauf nahmen, dann lade ich dich von Herzen ein, meine Blogartikel zu verfolgen. (am leichtesten geht das, wenn du dich als Follower mit deiner E-Mailadresse einträgst)

Hier findest du den Link zum Artikel: Ein Unfall, der meinem Leben eine neue Richtung gab. TEIL 2

 

 

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10 Gedanken zu “Ein Unfall, der meinem Leben eine neue Richtung gab. TEIL 1

  1. puh, ein ziemlich erschütterndes erlebnis. wie gut, dass unterm strich alles gut ausgegangen ist. manchmal braucht man einen fürchterlichen schockmoment, der etwas in einem verändert. ich hatte das auch. vielleicht wäre es auch mal an der zeit, darüber zu schreiben?

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  2. Ich habe das vor 15 Jahren mit meiner Mann erlebt
    Das kann keiner begreifen, wie man das erlebt. Ich sah das Gesicht meines Mannes im Krankenhaus und wusste es muß ein Schutzengel da gewesen sein der es nicht verantworten konnte mich zur Witwe und meinen damaligen 13. Jährigen zum Halbwaisen zu machen.

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  3. Ja, diese Sekunden im Leben, die alles verändern. Ich habe das auch schon erlebt, nur nicht durch einen Unfall. Bei mir blieb irgendwie die Welt damals für einen Augenblick stehen. Ein Sekunden-Standbild habe ich heute noch manchmal im Kopf. Ich muss mir dieses dann ernergisch aus dem Kopf “ schütteln „, damit die Erinnerung nicht übermäßig wird. Ich bin auf deine Fortsetzung gespannt! LG, Mia

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  4. Es ist wirklich unglaublich, wie ein Erlebnis das Leben so prägen kann, wie es das Bewusstsein eines Manschens so grundlegend verändern kann. Echt toll, dass du dein Erlebnis mit uns teilst! 🙂

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