Wenn ein Leben endet…

Dieser Blogbeitrag ist eher sachlich gemeint. Er soll zum Denken anregen, dich jedoch nicht in die Lage versetzen. Wenn du über mein mich zum Thema berührendes Erlebnis lesen möchtest, dann klicke bitte hier oder auf „Wenn ein Leben endet… – meine Geschichte“

Für den Titel habe ich nun fast 1 Stunde überlegt. Sterben, Tod, tiefe Trauer, Abschied nehmen, wenn die Seele geht… Es gibt so viele Synonyme und Wortkreationen rund um das Thema. Doch irgendwie schien mir plötzlich nichts mehr passend und angemessen.

Ganz überraschend hat mich die Nachricht einer Freundin erreicht. Ich telefoniere gerade mit meinem Partner. Eine Nachricht ploppt vor meinen Augen auf dem Display meines Handys auf. Ich lese nur das Wort „gestorben“. Sofort öffne ich die komplette Mail. Meine Augen weiten sich, mein Kopf nähert sich um weitere paar Zentimeter dem Mini-Bildschirm. Mein Kiefer fällt nach unten und das Blut sackt auf einmal in meine Beine ab. Ich unterbreche das Gespräch und bin fassungslos. Die Mutter meiner Freundin ist mit gerademal 67 Jahren gestorben. Obwohl ich sie mehr aus Erzählungen als persönlich kannte, sind meine ersten Gedanken: „Waaas? Viel zu jung. Warum denn nur?“ und „Meine arme Freundin, das muss ja schrecklich für sie sein. Ich fühle mit ihr diesen tiefen Schmerz.“. So viele Menschen, die eine nahestehende Person verloren haben. Sie war Ehefrau, Mutter, Schwiegermutter, Oma, Schwester, Schwägerin, Tante, und noch so vieles mehr. Ich spüre, wie mich eine Welle der Traurigkeit überrollt.

Von einem Moment zum anderen ist genau das Thema, was wir kollektiv so erfolgreich verdrängen, präsent und erwischt mich eiskalt. Ich erinnere mich sofort an die ersten 2 Sätze des bewegenden Buches von Veit Lindau „Seelengevögelt – Manifest für das Leben“

Du stirbst.

Beginne zu leben.

Es hört sich total irre an. Doch genau JETZT erkenne ich:

Zu keinem Zeitpunkt sind wir dem wahren Leben näher, als wenn wir mit dem Tod konfrontiert werden.

Eine Bandbreite an Gefühlen poppt in uns auf:

  • Wut – z.B. über jedes Verhalten, das du von dieser Person nicht richtig fandest
  • Scham – z.B. über jedes Verhalten, dass du von dir selbst gegenüber dieser Person nicht richtig fandest
  • Trauer – z.B. bist du gezwungen, dich von dieser Person zu verabschieden, du kannst daran nichts ändern
  • Angst – z.B. etwas von dieser Person mit der Zeit zu vergessen oder du fürchtest dich vor dem Moment des eigenen Sterbens
  • Freude – z.B. über bestimmte Erinnerungen an diese Person

Diese 5 Basis-Emotionen (von mir mit themenbezogenen Beispielen versehen) wurden beschrieben  von Elias Fischer mit folgender Botschaft:

Nun mache dir klar, dass keines dieser Gefühle besser oder schlechter ist; dass alle gleich wichtig sind und für ein lebendiges Leben gleichermaßen gelebt werden müssen.

(aus seinem Emailverteiler „Der Weg zu unendlicher Freiheit und die 5 Basisgefühle“ vom 16.3.2016)

Versetzte dich doch einmal zurück in eine Situation, in der auch du einen geliebten Menschen ziehen lassen musstest. Hast du diese Gefühle angenommen und gelebt? Oder ist es nicht vielmehr so, dass wir dazu neigen, all dieses Befinden zu verdrängen, zu ignorieren und zu überspielen? Eine Wut die aufkommt empfindest du wohlmöglich als unangemessen. Scham ist unangenehm und muss daher genau wie die Trauer, die so weh tut… weg. Angst und Furcht schafft Sorgen, die wir nicht haben wollen und noch öfter nicht wahrhaben wollen. Zudem wird ja so oft gepredigt, im Hier und Jetzt und nicht mit den Gedanken in der Zukunft zu sein. Also unpassend und… weg damit. Und dann taucht vielleicht auch noch Freude auf. Erlaubst du dir, diese zu fühlen? Kannst du dir eine Trauerfeier vorstellen, auf der getanzt, wirlich gefeiert und gejubelt wird? Ernsthaft? In den meisten Fällen wohl eher nicht. Findest du es angemessen, am Grab zu lächeln weil dir gerade eine lustige Situation mit dem/der Verstorbenen einfällt? Oder fühlst du dich dann gar schuldig?

Ich glaube, dass viele von unserer „Gattung Mensch“ mit Loslassen und dem Ende (egal welches, Beziehung, Tätigkeit, Lebensabschnitt, Leben usw.) allgemein im Widerstand sind. Selbst mit dem Wissen dazu, macht es Umstände und Handhabung nicht einfacher. Mir ist es bewusst, doch mein Handeln spiegelt das Unterbewusste wieder, in dem es leider anderst aussieht, als ich mir eigentlich eingestehen möchte.

  • Wenn ein Leben endet… gibt es viel zu tun. Formalitäten, Mitteilungen, organisieren von Bestattungen…
  • Wenn ein Leben endet… wirst du mit deiner eigenen Sterblichkeit konfrontiert…
  • Wenn ein Leben endet… fühlst du dich vielleicht ohnmächtig und machtlos…
  • Wenn ein Leben endet… stirbt manchmal auch ein kleiner Teil von dir selbst…
  • Wenn ein Leben endet… gibt es kein Zurück…
  • Wenn ein Leben endet… rückt eine Familie näher zusammen…
  • Wenn ein Leben endet… ist dann (sofern du an etwas glaubst) in deinen Augen das Leben, die Natur, das Universum, Gott ungerecht?
  • Wenn ein Leben endet… suchst du dann den Sinn dahinter, den Grund, das Warum?
  • Wenn ein Leben endet… lebst und erlaubst du dir dann die aufsteigenden Gefühle?
  • Wenn ein Leben endet… endet es dann tatsächlich?
  • Wenn ein Leben endet…

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4 Gedanken zu “Wenn ein Leben endet…

  1. der schrecklichste Tod war für mich der Tod meines geschiedenen Mannes, der es wagte, obwohl ich unsere Kinder bei ihm lies, ER unsere Kinder einfach im Stich ließ und sich aus dem Leben stahl. 8Wochen vor dem 18. Geburtstag unseres Ältesten und einen Tag vor den Abschlussprüfungen unseres 2. Sohnes. der seinem Vater mit diesem Abschluss beweisen wollte, dass er durchaus auch ein toller Kerl ist. Nada!!!!!! ich war sowas von Wütend auf meinen Mann (Jahre) !!!!!!!!!!!!!!!! …..
    in deinen Aufzählungen finde ich meine, damals chaotischen Schübe, von Emotionen, nicht wieder. Schade.
    Aber bestimmt von dir ganz lieb gemeint.
    alles Liebe für deinen Weg. Fühle dich ganz lieb von mir gegrüßt,

    Christel

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    1. Liebe Christel,
      ganz herzlichen Dank für deine Worte und dass du dein Erlebnis teilst. Mein Blogbeitrag ist eher nüchtern betrachtet, sachlich gemeint. Er soll zum Denken anregen, dich jedoch nicht in die Lage versetzen. An so eine „Nummer“ traue ich mich ehrlich gesagt noch nicht so recht ran… Immerhin wäre ich dann jemand, der Emotionen beim Anderen (sprich bei dir) auslöst und somit die Verantwortung dafür trage. Soweit bin ich persönlich noch nicht. Ich will anstupsen, jedoch ohne zu wissen, wie ich dich auch auffangen kann (somit nicht professionell genug), noch nicht bereit dir einen Stoß zu versetzen.
      Kommt vielleicht noch 😉
      Ich wünsche dir einen friedvollen weiteren Lebensweg und schicke ein paar sonnige Strahlen durch das derzeitige Schneegestöber hindurch.
      Susanne

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  2. spannend, dass du zu einer ähnlichen zeit auch einen beitrag zu diesem thema veröffentlichst… ja, der tod ist ein ganz eigenes thema. irgendwie „das letzte tabu“ unserer gesellschaft. es ist wenig platz, den gefühlen raum zu geben. es wird erwartet, dass man funktioniert. das macht trauerarbeit schwer.

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